Die Idee:
RFID-Chips und kontaktlose Chipkarten sind eine ungeheuer praktische Technologie. Keine Kontakte die oxidieren und verdrecken können, einfache Kommunikation durch Auflegen auf ein Lesegerät und unter günstigen physikalischen Bedingungen kann die Karte sogar im Portemonnaie verbleiben. Was den Ingenieur freut ist des Datenschützers Graus. Gerade das kontaktlose Auslesen ermöglicht auch ungewolltes Auslesen. Der neue biometrische Reisepass ermöglicht ein solches Szenario:, Was ist, wenn Terroristen einen bestimmten Politiker an seinem Reisepass kontaktlos erkennen können und eine Bombe in seiner nähe zünden? Zugegeben, dieses Beispiel ist sehr weit hergeholt; nicht weit hergeholt sind aber Szenarien wie Mitarbeiterüberwachung mit in Kleidungsstücke eingenähten RFID-Tags - und es hat auch schon jeder mal eine Alarmanlage in einem Kaufhaus mit einem nicht deaktivierten Wahrensicherungsettikett (übrigens auch RFID Technik, sogenannte 1-Bit Transponder) ausgelöst und eventuell eine Bekanntschaft mit dem Hausdetektiv gemacht. Wie auch immer. Manchmal wäre es schön ein Gerät zu haben das RFID-Tags schnell und sicher deaktiviert indem es sie physikalisch zerstört. Mein Freund C. H. hat seinerzeit ein solches Gerät entwickelt: Den RFID-Zapper. Der RFID-Zapper ist billig, einfach nachzubauen und zerstört einen RFID-Tag mit einem kurzen, starken elektromagnetischen Puls. Als Zutaten benötigt man lediglich eine Einwegkamera mit Blitz, einen Drucktaster (Schliesser), Einen Widerstand (ca. 100k) und etwas starren, isolierten Kupferdraht.
Öffnen und Entladen:
Zuerst öffnen wir das Kameragehäuse, doch Vorsicht: Im Inneren der Kamera befindet sich auch der Blitzkondensator der noch unter Hochspannung stehen könnte. Wenn man das Gehäuse vorsichtig geöffnet hat muss man - um gefahrlos arbeiten zu können ersteinmal die Batterie entfernen und den Kondensator entladen. Wichtig: Den Kondensator nie direkt kurzschliessen, dies würde unter Umständen den Kondensator beschädigen. Wir entladen den Kondensator ganz sanft über einen
Widerstand(ca. 100k), den wir an den Kondensator halten. Hinterher kann man, wenn man ganz sicher sein will, mit einem Messgerät die Spannung überprüfen.
Spule wickeln:
Der RFID-Zapper funktioniert, wie oben schon angedeutet, indem er einen kurzen starken elektromagnetischen Puls erzeugt welcher den RFID-Tag physikalisch zerstört. Technisch muss man sich das wie einen Transformator vorstellen: Die Primärspule ist im Zapper und die Sekundärspule ist die Spule im RFID-Tag. Wir werden die Spule anstatt der Blitzröhre einbauen, nutzen also die Energie im Kondensator nicht für einen optischen Blitz sondern sozusagen für einen elektromagnetischen Blitz. Dieser elektromagnetische Blitz hat sehr viel mehr Energie als das normale Feld des Lesegerätes. Der RFID-Tag wird also ganz plötzlich mit viel zu viel Energie versorgt, was ihn letztlich zerstört. Die Windungsverhältnisse der Spule betragen ca. 1:1, also ca. 5-6 Windungen. Der Querschnitt der Spule sollte in etwa dem der Spule auf dem Transponder entsprechen. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass die Spulendaten äußerst unkritisch sind. Auch die Dicke des Drahtes ist nicht besonders kritisch. Der Draht sollte aber nicht zu dünn sein. Am besten geht es wenn man den Draht 5-6 mal um die Hand wickelt und die entstandene Spule anschließend zu einem viereckigen Gebilde biegt.
Taster verkabeln:
Um den Zapper auszulösen brauchen wir einen Taster, welcher den Kreis zwischen Spule und Kondensator schließt. In der Praxis hat sich gezeigt dass hier ein einfacher Taster für ein paar Cent vollkommen ausreichend ist. Der Taster wird einfach an ein Stück Litze gelötet. Auch hier sollte der Draht nicht allzu dünn sein. Wenn man vor hat, den Schalter außerhalb des Gehäuses am Kabel herausbaumeln zu lassen sollten dessen Kontakte unbedingt isoliert werden da am Schalter die volle Kondensatorspannung anliegt.
Blitzröhre ausbauen:
Wie schon gesagt, wir nutzen die Energie die ursprünglich für die Erzeugung eines Blitzes gedacht ist. Deshalb muss die Blitzröhre ausgebaut werden. Bei den meisten Einwegkameras hängt die Blitzröhre an zwei Metallfahnen. Es reicht diese mit einer Zange abzuzwicken. Auch sollte man alle
unnötigen Teile wie Reflektoren entfernen. Auch sämtliche, nicht mehr benötigte Mechanik sollte man demontieren. Übrigens: den langen Metallarm an der Seite kann man auch gleich mit
abzwicken, er wird auch nicht mehr gebraucht.
Anschliessen und testen:
Jetzt, wo man alles beisammen hat, werden die Komponenten miteinander verbunden. Zuerst verbindet man Schalter und die Spule miteinander. Anschließend isoliert man die Verbindungsstelle. Das entstandene Gebilde schließt man nun an den beiden Metallfahnen an wo vorher die Blitzröhre angeschlossen war. Man kann die Metallfahnen auch gleich ganz entfernen und den Draht direkt auf der Platine anschließen. Wenn alles korrekt verbunden ist, kommt der spannende Moment: Der erste Test. Die Batterie wird wieder eingesetzt und der
Ladeknopf mit einem isolierten Gegenstand gedrückt. Es sollte ein hohes Fiepen zu hören sein und (sofern vorhanden) die Kontrollampe aufleuchten. Jetzt nehme man einen RFID-Tag und lege ihn auf die Spule. Dann wird abgedrückt. Es sollte ein leises Knacken zu hören sein. Danach kann man den RFID-Tag mit einem Lesegerät prüfen, er sollte zerstört sein. Ein funktionierender RFID-Tag
antwortet auf die Anfragen des Lesegerätes. Ist er zerstört erhält man vom RFID-Tag keine Antwort mehr, der RFID-Tag ist stumm. Man muss bei diesem ersten Test sehr aufpassen dass man keinerlei Kontakte berührt. Am Ende sollte man wie am Anfang den Kondensator sicherheitshalber entladen. Wenn der Test erfolgreich war, kann man den Aufbau wieder in das Kameragehäuse zurückbauen. Die Spule sollte sich beim Einbau möglichst dicht am Gehäuse eingebaut werden um nichts von der wertvollen Energie durch unnötige Distanz zum RFID-Tag zu verschwenden. Die Platine kann unter Umständen etwas wackelig im Gehäuse sitzen. In diesem Fall kann man sie mit einem Taschentuch oder einem zusammengeknüllten Stück Papier festklemmen. Wichtig ist das der Ladeknopf von außen noch drückbar ist. Übrigens: Wenn man gerade weder RFID-Tags noch Lesegerät zur Hand hat, kann man sich auch einen RFID-Tag durch eine selbstgewickelte Spule (Ebenfalls 5-6 Windungen) und einer LED die man an die Spule anschließt einen Tag simulieren. Schafft man es die LED mit dem Zapper kaputt zu machen, funktioniert es bei einem richtigen Tag garantiert.
Fazit:
Die Konstruktion ist erstaunlicherweise trotz des wackeligen Aufbau und des eigentlich viel zu schwach dimensionierten Schalters (bei ca. 300V und ca. 30uF wird der Schalter schon ganz schön gequält) erstaunlich zuverlässig. Wir haben den Zapper auf diversen CCC Veranstaltungen erfolgreich in Workshops gebastelt. Die beiden Workshops auf dem
Berlin08 (Festival für junge Politik), die ich mitorganisiert und geleitet habe waren beispielsweise ein voller Erfolg. Alle Zapper haben zu meiner Überaschung zuverlässig funktioniert. Man muss dabei beachten das teilweise Leute dabei waren die noch nie gelötet und auch keinerlei elektrotechnische Grundkenntnisse hatten. Das zeigt, dass das Konzept voll aufgeht.