mikroPAD:
Hat man ersteinmal verstanden wie BTX funktioniert drängt sich einem unweigerlich der Gedanke auf, ein BTX-Terminal direkt mit dem Internet zu verbinden. Dann würde sich der Kreis schließen. Es kommt zusammen was zusammen gehört. Der mikroPAD ist eine Hardware die genau dies tut. PAD stand früher für Packet Assembler/Disassembler. Da dies für den mikroPAD nicht so ganz zutreffend ist, steht PAD hier für Page Assembler Device (dazu später mehr) Die Platine passt in ein altes
DBT-03 Gehäuse und wird direkt mit dem Heimnetzwerk verbunden. An der anderen Seite wird das Terminal angeschlossen. Als BTX-Zentrale dient ein ganz normaler HTTP-Webserver. Das Bild zeigt übrigens ein Multitel 20, mit einer frisch aus dem Netz geladenen Testseite.
CEPT-Hypertext:
Mit CEPT T/CD 6-1 (Im folgenden einfach CEPT) hatte man schon soetwas wie eine Seitenbeschreibungssprache geschaffen. Eigentlich war es mehr eine Festlegung von Steuerzeichen und Steuersquenzen die bestimmte Formatierungen (Zum Beispiel doppelt so große Schrift) auf dem Terminal aktivierten. Diese Steuerzeichen sind natürlich binäre Zeichen. Um das Editieren der auf dem HTTP Server gespeicherten CEPT-Seiten so einfach wie möglich zu machen werden die Seiten in einem HTML-ähnlichem Hypertextkorsett gespeichert. Zur steuerrung des PAD gibt es sogar meta-tags. Die Formatiertags entsprechen 1:1 dem was in CEPT T/CD 6-1 beschrieben ist. Möchte man zum Beispiel das Steuerzeichen "DBS" (= Double Size) aus der Cept-Norm benutzen, schreib man es einfach wie ein HTML Tag: "‹dbs›" Das Tag wird dann vom Parser im PAD durch das passende binäres Steuerzeichen ersetzt. Jetzt wird auch klar warum hier PAD für Page Assembler Device steht. Die Seite wird erst vom HTTP-Server gehohlt, dann vom Cept-Parser zu einer binären CEPT-Seite assembliert die dann auf das Terminal geschickt wird. Die vom Terminal kommenden Eingaben werden ebenfalls vom PAD verwaltet und in HTTP-Requests verwandelt. Das Anfordern einer Seite mit * und # würde in einem GET-Request auf die Seite mit der entsprechenden Nummer gewandelt. Ein Satz Beispielseiten ist in der Distribution enthalten. Der gleiche Satz ist Tag und Nacht Online unter
http://btx.runningserver.com verfügbar. Dieser Server ist auch in der Standartkonfiguration des mikroPAD als ULM eingetragen so das man erstmal etwas hat gegen das man testen kann.
PAD-Details:
Der PAD besteht aus einer einseitigen (Optional auch zweiseitig wenn man keine Drahtbrücken will) Europlatine. Als Hauptprozessor wird ein ATmega2561 verwendet, welcher dank externem RAM über reichlich Arbeitsspeicher verfügt. Das Ethernetinterface besteht aus einem ENC28J60 mit entsprechender Peripherie. Zur Kommunikation mit dem BTX-Terminal wird die schon ausführlich erprobte
miniBTX Schaltung verwendet. Damit auch das richtige Bundespost-Feeling aufkommt passt die Platine in ein altes
DBT-03 Gehäuse. Sogar der TEST-Schalter und der im
DBT-03 eingebaute Lautsprecher sind im Layout vorgesehen und funktionieren wieder. Einzig für die Ethernet-Schnittstelle und die externe Stromversorgung müssen Modifikationen am Gehäuse gemacht werden. die Stromversorgung braucht ein Loch fürs Kabel und die Ethernetschnittstelle ein größeres Loch für den Stecker. Auch ans Stromsparen wurde gedacht: Besteht keine Verbindung, ist der PAD durch ein Relais komplett abgeschaltet. Erst wenn die START-Leitung des Terminals auf High geht schließt das Relais und der PAD bootet. Das hat zudem den Vorteil das man bei jeder Verbindung ein frisch gebootetes System hat. Das Design basiert auf dem mikrowebserver-Projekt von D.B. Ich habe das Design entsprechend angepasst und eine entsprechende Applikation für das Betriebsystem geschrieben.
Fazit:
Am Ende kann man sagen das der mikroPAD ein gut funktionierendes Gerät geworden ist. Die meisten Funktionen von BTX werden vom mikroPAD reimplementiert. Die Steuercodes sind die gleichen wie vor 25 Jahren. Da es das Original nicht mehr gibt und das Konzept HTTP etwas anders ist als die Mechanismen bei BTX sind Unterschiede natürlich vorgezeichnet. Die aktuelle Softwareversion unterstützt leider keine Eingabemasken. Technisch sind diese jedoch kein Problem und ich werde sie bei Bedarf nachrüsten. Bis dahin funktioniert nur das reine Anzeigen von Seiten und das verfolgen von Links - allemal ausreichend um Leuten zu zeigen wie das früher so war. Die größte Schwierigkeit war es, vor allem Am Anfang, Dokumentation zu beschaffen (Vielen Dank an S.W. !)
Schwierig war es das Postmodem
DBT-03 akkurat zu simulieren. Das ist auch der Grund warum dieser Teil ein eigenständiges Projekt (
miniBTX) darstellt. Das der mikroPAD über eine Ethernet-Schnittstelle verfügt lag mir besonders am Herzen da Ethernetanschlüsse heutzutage presenter sind als Telefonanschlüsse. Man kann so förmlich von jedem Punkt der Welt BTXen. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei D.B, dem Entwickler des Betriebsystems und des TCP/IP Stacks für seine Unterstützung bedanken.
Sämtliche Unterlagen, Quelltexte und Platinenlayouts finden sich in der Bildschirmtrix Distribution, welche
hier heruntergeladen werden kann.